Ich über mich

 

Nach meinem Werbegrafik-Studium an der HfbK-Berlin stieg ich 1974 mit Elan ins Berufsleben ein. Nicht etwa als Grafik-Designer, nein! Zu meiner großen Freude begann ich meine Laufbahn mit Zeichentrickfilmen. Pan's Studio in der berliner Fasanenstraße war ein fantastischer Nährboden für kreative Geister. Freiheit und Verantwortung. Nicht das "Wann oder Wie" zählte – sondern nur der Termin. Dabei zeichneten wir nicht nur lustige Männchen, sondern produzierten auch komplexe Fachfilme für die FWU in München: "Wie zum Beispiel bremst die Straßenbahn in Hannover und gewinnt dabei noch Energie für's Wiederanfahren?" Wir erklärten es mit einem Film.

Nach etwa 3 Jahren zerfiel schmerzlicherweise die Freundesgemeinschaft wegen billigerer Japanproduktionen. Arbeitslos traf ich meinen Werbe-Guru-Onkel Karl und der sagte: "Wenn du einen Eisbären schießen willst, dann musst du auch dorthin wo welche sind!" Ich sollte also in eine der Werbe-Zentren, wie Frankfurt, Düsseldorf oder Hamburg ziehen.

Ich entschied mich für die Hansestadt und begann sofort mit dem Eisbären schießen. Mein erster Job: Layouter bei der Economia. Aber schon nach etwa einem Jahr zwang mich ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte, zu D'Arcy McManus & Masius als Illustrator. Dort blieb ich dann auch fast 1000 Filzstifte lang (das entspricht etwa 2 Jahren). Und, wie es in dieser Branche halt so ist, ließen neue große Aufgaben nicht lange auf sich warten: der Junior Art-Director stand an.

Den bekam ich dann bei Wilkens WPT, wo Philips zu meiner Hauptaufgabe wurde. Das war auch alles gut und schön! Aber Werbeagenturen sind halt politisch organisiert und die daraus entstehenden Flügelkämpfe um Posten und Pöstchen fand ich eher unkreativ. Ich begann mich lieber wieder nach etwas Echtem zu sehnen – nach etwas Familiärem, wo es menschelte wie... wie weiland bei Pan's Studio.

Die Festanstellung bei der IDEA-Werbeagentur schien die Lösung zu sein. Ein kleines, wirklich nettes Team beharkte den Otto-Versand. Und das sehr leistungsstark. Wir layouteten und produzierten nicht nur den mächtigen Hauptkatalog, sondern auch Tochterfirmen wie Bon Prix, etc.

Alles Perfekt! – Wieder vergingen 2 Jahre bis ich endlich mit meinen grandiosen Gehaltsverhandlungen glücklich scheiterte, nur um dann als sogenannter "Freier" wieder durch die Hintertür eintreten zu können. Das war der ungewollte Startschuss in die Selbstständigkeit!

1984 ging es dann richtig los. Ich speiste in sämtlichen Kantinen! Z. B. in der von Team BBDO oder der von McCann. Ich arbeitete hart und fleißig! Aber da gab es noch ein anderes kleines unbedeutendes Medium, welches mich unerbittlich anzog: DAS RADIO!

Schon als Kind lauschte ich verzückt den Klängen und Stimmen aus dem Holzkasten mit dem "Magischen Auge" und auch ich wollte immer eine solche Stimme sein. Radio Hamburg gefiel überraschenderweise die meine sehr und so durfte ich teilhaben am Aufbau des erfolgreichsten Privatsenders seiner Zeit. Das war 1986. 1990 startete dann Radio NRW in Oberhausen sein Programm und ich war abermals dabei – von der ersten Sekunde an. Sieben Jahre prägte ich so nachhaltig die "kulturelle" Vormittags-Unterhaltung der schlichten nordrheinwestfälischen Hausfrau – mitunter allerdings auch zu deren Schreck.

Leider wurde das magische Auge mit der Zeit immer trüber, die Formate immer seelenloser, das Programmangebot immer flacher, und so verlor ich nach 13 Jahren letztlich das Interesse an dieser Tätigkeit.

Inzwischen bin ich wieder das, was ich schon vor meiner wundersamen Rundfunkkarriere war: Grafik-Designer für meine treuen, langjährigen Kunden. Denn das hatte ich während der gesamten Zeit meines "Sendungsbewusstseins“ nicht vernachlässigt: Vormittags Radio, nachmittags Grafiker und das mit Leib und Seele. Denn ich bin ein Überzeugungstäter. Da verstehe ich keinen Spaß – obwohl es mächtig welchen macht!

Liebe Grüße aus Hamburg

Emanuel Lohmann